Ein Beitrag zur Blogparade "50 Jahre ICH" des Online-Magazins LEMONDAYS

Als mein 30. Geburtstag vor der Tür stand, habe ich mich im Spiegel betrachtet und gedacht „ab jetzt geht’s nur noch abwärts“. Die ersten Falten waren da – ich sah mein Greisinnengesicht bereits durchschimmern.
An meinem 40. Geburtstag, dachte ich, nun hätte ich wirklich alles erlebt: dreimal getrennt, 2 Kinder von 2 Männern, 11 mal umgezogen, in der Großstadt, im Ausland, auf dem Dorf gelebt… was sollte noch groß kommen.
Ganz anders beim Herannahen meines 50. Geburtstags. Schon ein Jahr vorher beantwortete ich die Frage nach meinem Alter immer mit den Worten „fast Fünfzig“, worin bereits ein gewisser Stolz mitschwang. In meinem Kopf würde ich mit der 5 vorne eine magische Grenze überschreiten, wo alles einfacher sein würde: keine Vergleiche mehr mit anderen Frauen, grenzenlose Freiheit in Bezug auf Aussehen, Outfit, Make-up und die Erlaubnis, endlich ganz ich selbst zu sein.
Eine Lawine von Lasten und Pflichten würde von mir abfallen und aus Gedanken wurden Taten. Am ersten Tag in meinem neuen Lebensjahrzehnt kündigte ich meinen ungesund stressigen Job, zog zu meiner neuen Liebe, wechselte das Bundesland und fing nochmal bei Null an.

Nun bin ich bereits 8 Jahres lang 50 und der gedankliche Ort, an dem ich mich immer mehr einrichten möchte, der soll ein würdiger Ort für eine Königin sein, gelassen und erhaben, von erhabener Gelassenheit (…oder: siehe Foto oben). Manchmal bin ich schon da und das ist so ein wunderbares, um nicht zu sagen gigantisches Gefühl. Vielleicht kann ich es Euch an einem kleinen Beispiel aus meinem Alltag deutlich machen: letzten Sonntag zum Beispiel stritten mein Mann und ich uns beim Frühstück erbost darüber, dass er – nachdem ich am Vorabend mit viel Liebe für uns gekocht hatte – einfach aufgestanden war und mit den Worten „…die kommen jetzt noch vorbei, Stefan und Thorsten!“ das Haus verlassen hatte und nicht wieder aufgetaucht war. Ein saublödes Gefühl, so vor dem noch gedeckten Tisch zu sitzen und sich plötzlich vor die Tatsache gestellt zu sehen, den Rest des Abends alleine zu verbringen (die „Jungs“ hatten sich im Garten um ein Feuerchen versammelt und tranken Bier).

Doch kurz zurück zu unserem Streit: wie so oft fühlte sich mein Mann sofort angegriffen, wurde lauter (Achtung: von Frau ausgehende Freiheits,- Freundschafts- und Hobby-Bedrohung!!). In einer Kettenreaktion erhöhte sich auch mein Puls signifikant und eine Widder-typische rote Welle der Wut rauschte heran. ….jedoch… es gelang mir, innerlich einen Schritt zurück zu treten, uns beide ein wenig von außen zu betrachten, mich umzudrehen und mich auf meinen inneren Königinnen-Thron zurückzuziehen. Wie bei einer Musikanlage sah ich mich einen Regler bedienen und kurz und entschieden alle Wutparameter herunterregeln. Mit Erfolg. Atmung, Körperspannung, Puls und Lautstärke – alles zurück auf Normalbetrieb.
Welch ein strahlendes, wunderbares, erhabenes Gefühl, wenn frau dies gelingt! Wenn negative Energie einfach so ins Leere läuft. Nonchalant ließ ich den Fehdehandschuh zu Boden gleiten und wählte stattdessen Dankbarkeit und Ruhe für mein Gemüt. Ja – das ging. Unabhängig vom Thema unseres Streits (der sicher noch seine Fortsetzung finden wird), konnte ich einfach aussteigen, meinen/unseren Tag retten und meine gute Laune bewahren. Und das meine lieben Leser*innen, das funktionierte in meinem Leben erst ab 50+, nach vielen Jahren Yoga, Meditation und mit wachsender Bewusstheit in jeder Lebenslage. Und dafür bin ich so dankbar, einfach schrecklich gerne eine „woman at mature age“.

=> siehe auch die vielen wunderbaren Beiträge auf https://lemondays.de/motivation/blogparadenparty/

Ein Gedanke zu “Mein 50-jähriges ICH wird 8

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